Justiz und NS-Vergangenheit: ein Essener Fall
Bernd Schmalhausen berichtet am Mittwoch, 4. November, ab 18 Uhr, über Aufarbeitung, Korpsgeist und die deutsche Nachkriegsjustiz.
Auch die deutsche Nachkriegsjustiz hat sich mit ihrer NS-Vergangenheit lange schwergetan. Die ersten Jahrzehnte der Bundesrepublik waren geprägt von personellen Kontinuitäten innerhalb der Gerichte und Staatsanwaltschaften. Strafverfahren gegen ehemalige NS-Juristen verliefen häufig im Sande, und in vielen Behörden blieben die aufgehängten Porträts früherer Amtsträger an ihrem Platz, ohne dass deren Rolle vor 1945 hinterfragt wurde. Wie dieses Muster im Konkreten wirkt, zeigt Bernd Schmalhausen am Beispiel des Landgerichts Essen. Der ehemalige Essener Staatsanwalt schildert den monatelangen Streit um die Entfernung eines Gemäldes aus der Galerie der Gerichtspräsidenten, das einen Amtsinhaber mit nachweisbarer Rolle im NS-Justizapparat zeigte.
Über Jahre verzögerte die Justizverwaltung eine Entscheidung, verwies auf Zuständigkeiten und auf die historische Einordnung als Aufgabe späterer Forschung. Aufschlussreich in diesem Zusammenhang ist ein anderer Vorgang: Vor 25 Jahren stieß eine geplante Gedenktafel für ermordete jüdische Richter und Rechtsanwälte in Teilen der Essener Justiz auf erheblichen Widerstand. Was sich hier abspielte, liest Schmalhausen als Fallstudie für ein bundesweit wiederkehrendes Verhaltensmuster der Justiz nach 1945.
Wie schwer es deutschen Behörden fiel, ihre eigene Geschichte aufzuarbeiten, lässt sich an wenigen Bildern und Tafeln präziser nachvollziehen als in vielen historischen Übersichtsdarstellungen. Der Abend führt entlang dieser Essener Spuren und zeigt, was sich an ihnen über die bundesdeutsche Justizgeschichte ablesen lässt.
Der Eintritt ist frei. Die Möglichkeit zur Anmeldung und weitere Infos finden Sie hier.